Mein Baby schreit oft. Was tun?

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Junge Mütter kommen regelmäßig entnervt in unsere Kinderarzt-Praxis mit der Klage: „Mein Baby schreit oft stundenlang, meistens abends. Ich bin verzweifelt. Es hilft nichts, mein Kind lässt sich nicht beruhigen, weder durch Trinken, Armschaukeln oder gutes Zusprechen.“ Warum aber schreit das Kind? Und was ist zu tun?

Zuerst einmal: Schreien ist die Sprache der Babys. Ob Brüllen, Jammern oder Plärren – Schreien ist das beste Mittel Eltern herbeizurufen. Das heißt: Kinder schreien, wenn sie Hunger oder Schmerzen haben, etwas unangenehm ist oder einfach nur, wenn das Baby sich irgendwie verlassen fühlt. Auch Übermüdung und Reizüberflutung drückt sich häufig in Schreiattacken aus.

Schreien als Wunsch verstehen

Plärren Babys wie am Spieß, stellt sich bei Eltern reflexhaft das Bedürfnis ein, das Schreien rasch zu beenden. Dabei wird jeder Trick ausgepackt, der Wirkung verspricht: füttern, baden, wickeln, herumtragen, im Kinderwagen schaukeln bis hin zum stundenlangen Umherfahren im Auto. Mit der Zeit zweifeln die frustrierten Väter und Mütter daran, ob sie überhaupt „gute“ Eltern sind; besonders wenn der Rest der Verwandtschaft mit nervigen Vorschlägen, Tipps und Kritik daher kommt.

Kinder sind Stress ausgesetzt

Der Druck, ein schreiendes Kind zu haben, bringt erheblichen Stress: Selbst wenige Minuten Weinen werden dann nicht mehr ertragen. Die Beruhigungsversuche werden früh und heftig gestartet. Doch genau das ist oft der falsche Weg. Kinder weinen, weil sie sich in einer „neuen“ Welt zurechtfinden müssen.

Koliken sind oft nicht die Ursache

Babys jammern, weil sie eine Vielzahl von Reizen wie Licht, Lautstärke, die Nähe unbekannter Menschen verkraften müssen. Magen-Darm-Störungen, also die sogenannten Dreimonatskoliken, sind oft nicht die Ursache für lange Schreiattacken. Auch die Ernährung der Mutter spielt eine eher untergeordnete Rolle. Vielmehr beschweren sich Kleinkinder gerne über volle Windeln, Hunger, Langeweile, über Müdigkeit, Wärme oder Kälte.
Allerdings ist es wichtig, „normales“ Schreien von Schmerzlauten unterscheiden zu lernen. Genau das kommt mit der Zeit, je geübter die Ohren werden. Wer schon von Anfang an dem Schreien entgegen wirken möchte, kann ein paar Tipps beherzigen.

Wie Sie „unzufriedenen“ Babys helfen können

  1. Tipp: Führen Sie Regeln ein, auf die sich Ihr Baby einstellen kann. Grund: Wenn Mahlzeiten, Spiel- und Schlafstunden, Spaziergänge und Unternehmungen regelmäßig stattfinden, wird der Tag für das Kind rhythmisierter und es findet sich besser zurecht.
  2. Tipp: Bewahren Sie die Ruhe. Beruhigen Sie das Kind nicht um jeden Preis. Je mehr Sie sich bemühen, desto mehr überfüttern Sie es mit zusätzlichen Reizen. Legen Sie Ihr Kind möglichst noch wach ins Bettchen, sprechen ruhig mit ihm und streicheln Sie es dabei. Lässt sich das Kind innerhalb von 10 Minuten auf diese Weise nicht beruhigen, lassen Sie es ohne Gewissensbisse durchaus ein paar Minuten Schreien wenn es satt, trocken und gesund ist. Sie geben Ihrem Baby damit die Chance, dass es sich selbst beruhigen kann.
  3. Tipp: Wenn Sie immer sofort auf das Geschrei Ihres Kindes reagieren lernt es in Kürze: Ich brauche nur zu brüllen, dann bekomme ich Zuwendung. Zeigen Sie Ihrem Kind, dass Sie da sind, nehmen es aber nicht sofort aus dem Bettchen. Oft braucht es sonst Wochen, bis der Sprössling auf liebgewordene Gewohnheiten wie nächtliches Spielen, Tragen oder eine Extra-Mahlzeit wieder verzichten mag.

Natürlich ist es nicht immer einfach, diese Regeln einzuführen. Schreien kostet Nerven. Aber: Werden die Regeln konsequent eingehalten, dauert es oft nur wenige Tage, bis diese unruhige Zeit vorbei ist. Denn Kinder lernen Grenzen schnell kennen und merken rasch, dass der Alltag ohne Geschrei auch für sie viel stressfreier verläuft.